Während draußen die alltägliche Propaganda durch die Lautsprecher an den Straßen erschallt, sitze ich am Schreibtisch und sehe dabei in den Hinterhof des Hotels. Ich denke über die vergangenen zwei Monate in Asien nach und der Nachbar probiert sich mal wieder am Bohrhammer. Die angrenzende Baustelle hat uns in der vergangenen Woche zu den unmöglichsten Zeiten beschallt und uns auch oft aus dem Hotel auf die Strasse getrieben. Eine perfekte Kulisse, die die Vielschichtigkeit Asiens, die sich immer wieder zwischen Schönheiten, Merkwürdigkeiten und ganz alltäglichen Abgründen für uns bewegt. Wir haben uns Ruhe und Erholung erträumt, aber nur selten wurde dieser Traum erfüllt. In der Rückschau haben wir dann doch eher die lautstarke und aufdringliche, farbenprächtige und humorvolle Seite Asiens erlebt. Diese hat uns auch immer mehr in den Bann gezogen. So wurden wir über Wochen ein Teil dieser Wirklichkeit und erleben die letzte Zeit in unserem Viertel in Hanoi, in dem wir schon fast ein bißchen heimisch geworden sind. Ein Viertel, das sehr an die französische Vergangenheit erinnert und wie so oft sehr schöne und merkwürdige Seiten vereint. Ein Viertel, in dem eine ganz einfache Ausstattung reicht, um seine Existenz zu sichern und in dem Weihnachtsbäume ganz einfach auf dem Moped transportiert werden.
05.12.2013
02.12.2013
Nichts für schwache Nerven
Der Verkehr in Vietnam ist wohl das Verrückteste, das wir je gesehen haben. Schon als Fußgänger ist er nichts für schwache Nerven, wie schon oft erwähnt. Dennoch leihen wir uns nach drei Wochen Eingewöhnung einen Roller und fahren durch die Altstadt Hanois. Es macht Spaß, wenn es auch an den Kreuzungen nie richtig klar ist, wer jetzt wie fährt. Ampeln werden missachtet und keiner schaut je nach hinten. So achte auch ich nur auf meine Vordermänner. Heute wir wollen zum Literaturtempel. Straßenschilder gibt es hier keine und so fahren wir mit Hilfe des Stadtplans los. Das geht nicht immer gut und am Ende muss ich gegen die Fahrtrichtung in eine Einbahnstraße fahren. Stören tut sich hier keiner an dem Fahrkönnen des anderen und so stehen wir sicher vor dem Tempel. Ruhe und Entspannung verspricht der Reiseführer, jedoch schon beim Parken des Rollers steht fest, dass es hier heute eher wenig ruhig und entspannt zugeht.
Der Literaturtempel ist kein Tempel oder eine
Anlage zu religiösen Zwecken. Er ist das Hauptheiligtum Vietnams und war die
erste Akademie es Landes. Von 1076 bis 1915 wurden hier die Mandarine und
Hochbegabte der bürgerlichen Aristokratie unterrichtet. Die Universität wurde
1076 in Gedenken an den weisen Konfuzius
geründet und die Anlage basiert auf der Grundlage des Tempels in der
Geburtsstadt Konfuzius´ in China. Viele Studenten sind heute hier und feiern ihr Examen. Sie lassen sich fotografieren und werfen ihre Hüte in die Luft, als wären sie in Harvard.
Am Morgen bitte ich den Portier, er solle mir doch den Roller volltanken, weil ich nicht wisse, wo es hier eine Tankstelle gäbe und ich sie wahrscheinlich sowieso nicht finden würde. Er nickt und sagt, er mache es für mich. Die Tankanzeige steht die ganze Zeit schon auf "leer" und so verliere ich beim Losfahren keinen Gedanken. Auf einer Kreuzung bleibt die Maschine dann stehen. Kein Benzin mehr. Also heißt es schieben. Doch wir haben wirklich großes Glück, denn die nächste Tankstelle ist nur 100 m entfernt. Beim Nachfragen ernte ich ein hübsches Lächeln und ein "Sorry". Er hat es schlicht vergessen.
Auf der Rückfahrt fahren wir noch durch eine Straße, in der Hundefleisch verkauft wird. So endet der Tag, sprachlos vor den gegrillten Hunden, nach einer Fahrt entgegen der Einbahnstraße, einem leeren Tank mitten auf der Kreuzung und kreischenden Studenten im eigentlich friedvollen Park. Asien ist eben oft Nichts für schwache Nerven.
01.12.2013
Weihnachtsramsch und Straßenhändler
Am Morgen des 1. Advent mache ich einen Spaziergang in die Weihnachtsstraße um die Ecke. Das Sortiment wird seit den Wochen, die wir hier sind, immer mehr und heute versuche ich bei fast sommerlichen Temperaturen ein paar Schnappschüsse des vorbei rauschenden Verkehrs zu machen. Es ist Sonntag. Doch am Morgen gleicht die Straße einem Ameisenhaufen. Lieferanten liefern aus wie jeden Tag und die Menschen vom Land verkaufen ihr Gemüse, ihre Blumen und ihr Obst. Lebendige Hühner werden in die Stadt gefahren und Zimmerpflanzen auf einem rostigen Fahrrad durch die Straßen geschoben. Eine weiß geschminkte, in Satin gekleidete Dame huscht aus einem Range Rover in eines der Geschäfte. Das Ganze verläuft in einem nicht enden wollenden Hupkonzert, an das wir uns aber inzwischen gewöhnt haben.
So mancher Transport sieht sehr gewagt aus. Große, schwere Säcke, die nicht befestigt werden. Der Fahrer balanciert das Gewicht während der Fahrt einfach aus. So manches Mal können wir nicht fassen, was hier alles möglich ist.
Ganze Familien rauschen auf ihren Motorrollern an mir vorbei, die Kinder in waghalsigen Positionen, meist ohne Helm.
Die Müllfrau sammelt unter dem Läuten einer Glocke den Straßenmüll ein und ich denke mir, auch hier in Asien kaufen die Menschen diesen schrecklichen Weihnachtsramsch, der dann ja meist auch wieder auf dem Müll landet. Na dann, frohe Weihnachten.
Abonnieren
Posts (Atom)





